Mehr als nur ein Wochenende in der Stadt meiner Träume, zwischen Rebellen und erschlagen von spanischem Bar-Essen

Ich habe ganz offensichtlich mein Vorhaben, hier regelmäßig etwas hochzuladen, gebrochen. Und das kommt nicht davon, dass nichts passiert ist – nein, im Gegenteil: so viel, dass ich mit all den Eindrücken nicht hinterherkomme. Durch ganz Südmexiko bin ich nun gereist: Karibik, Dschungel, Berge, Großstadt. So viele tolle Begegnungen, die ich erleben durfte, doch irgendwie hat es sich im Moment nicht ergeben, über all das zu schreiben. Vielleicht kommen noch Nachträge aus meinen Notizen, doch jetzt erst mal von hier und jetzt.

Ein unfassbar ekliger Geruch steht mir seit Tagen in der Nase, den ich bis jetzt immer noch nicht identifizieren konnte. Eine Mischung aus verdorbenem Schinken, Kanalisation und noch etwas anderem. 

Nun sitze ich hier in der Sonne, im Herzen Madrids, in einem Café, frühstücke für 3,50 €. 

Einfach nur Herrlich! 

Am Donnerstag bin ich hier aus Mexiko, Querétaro, gelandet. Jede Menge Tränen des Abschieds sind geflossen- ein Herzschmerz wie bei einer Trennung.

Nach wunderschönen vier Monaten geht es für mich jetzt das Wochenende in die Stadt meiner Träume: Madrid.

Ich führe eine ganz besondere Verbindung zu dieser Stadt, in der sich meine Eltern vor über 24 Jahren kennengelernt haben. Immer wieder zieht es mich hierher. Doch trotzdem kommt in mir immer wieder der Gedanke hoch, ob ich nicht doch hätte in Mexiko bleiben sollen.

In Madrid wohne ich bei Pilar, einer Freundin von meinem Papa, bei der wir schon oft gewohnt haben. Früher wohnte mein Papa nämlich in dieser Wohnung.

 Leider gibt es in Spanien fast schon chronischen Lichtmangel in den Wohnungen. Das mag an den wirklich mini Innenhöfen liegen (Max. 5qm). Das Wohnzimmer ist wohl mit Abstand der lichtdurchflutetste Raum in der gesamten Wohnung. Doch beschweren kann man sich wohl kaum, da das wahre Highlight der Wohnung die Lage ist: Calle Mayor 13. An all die Leute, die noch nie in Madrid waren: Das ist schlechthin DIE Straße nach Gran Vía im historischem Zentrum. Vom Balkon aus hat man eine atemberaubenden Blick mit sich auf plaza del Sol das Herz des Alten Madrids. Wunderschöne Altbaugebäude, verziert mit königlichem Stuck, kleinen Balkons und Turmzimmern. Also 1000 % Altbau-Charme.

Pilar ist ein kleiner TV-Star in Spanien. Überall liegen Hola- und Vogue-Cover von ihr herum. Das lässt mich immer wieder staunen, wen meine Eltern kennen. 

Pilar hat zwei Töchter, Vega (15) und Candela in meinem Alter. Die kannte ich bislang nicht, da sie bei ihrem Vater im Norden Spaniens lebten. Candela ist mir über das Wochenende sehr ans Herz gewachsen. Das sind wohl die ersten Freunde am Ort meiner Zukunft?

Candela studiert Philosophie an der Compultense, der staatlichen Uni in Madrid. (vergleichbar mit der Humboldt-Uni in Berlin). Ich frage mich immer noch, wie ein solch perspektivloser Studiengang so beliebt sein kann. (falls ich falsch liege, klärt mich gerne auf).

So tat ich tagsüber das, was mir am meisten Spaß macht: die Stadt genießen, bummeln, spazieren gehen oder einfach im Park in die Sonne liegen. 

Für mich wahrlich die Stadt mit der schönsten Architektur. Die Sonne, die Menschen, die mich so inspirieren. So erlaube ich mir für einige Tage, in ihre Rolle zu schlüpfen, genauso stilvoll, interessant und irgendwie hoheitlich durch diese Straßen zu gehen. Ich fühle mich wie eine waschechte Spanierin – auch wenn mein mexikanisches Spanisch mich dann doch ab und zu verrät.

Und so lasse ich das Gefühl zu, welches immer stärker zu werden scheint, dass ich in diese Stadt gehöre.

Und genau scheint es auch das Schicksal mit mir zu meinen: Gleich am ersten Abend fahre ich mit Candela in die Uni-Stadt. Auf dem Campus stehen lauter alte Gebäude, jedes einzelne eine andere Fakultät, über Kilometer wie eine echte kleine Stadt, jedes in einem anderen Stil. Doch wir gucken uns keine Gebäude an, wir gehen auf eine Uni-Party.

So betreten wir die Fakultät für Philosophie. Grau und kalt, der Flur ist tapeziert mit Plakaten, auf denen nackte Brüste abgebildet sind, und oben steht in fetten Buchstaben „Sangriada“. Genau da wollen wir hin. 

Wir laufen in den Hof, schon auf den Treppen sitzen kleine Grüppchen Jugendlicher und hinten eine tanzende Menge. Beim Betreten des Hofes spüre ich direkt einen dröhnenden Bass im Körper und ein alt bekanntes umsumsums. Ein komisches Gefühl, da ich Techno-Musik sonst nur aus Berlin kenne – und das in Kombination mit dem taghellen Licht, da es gerade mal 17 Uhr ist.

Doch anscheinend machen die Spanier immer so früh Party. 

Alle sehen aus wie Berliner Atzen, ganz in Schwarz mit Bomberjacke. Solche Spanier gibt es? Die Freunde von Candela erklären mir, dass diese Fakultät eine Ausnahme ist, hier sind alle ein bisschen anders. Die Rebellen der Uni – einfach genial. 

Eine fette Rave auf dem Campus. Und so tanzen die spanischen Rebellen bis 21 Uhr ( so rebellisch sind sie dann doch irgendwie nicht) und saufen Sangria und 50-Cent-Dosenbier.  Und für diese Nacht bin ich auch eine Studentin an der Complutense.

Danach geht es für uns noch nach Moncloa, das Studentenviertel. Wir essen eine Neuerscheinung auf spanischem Boden ein Dürüm für unschlagbare 4 € in einer dieser überfüllten, super einfachen spanischen Bars und landen dann um 23 Uhr zu Hause. Genau richtig, um noch ein paar Folgen Sex and the City zu schauen. 

Herrlich, so macht Party machen Spaß.

Am nächsten Tag besuchen Candela und ich ihre Lieblingsorte. Wir gehen zum Palacio Real, trinken Kaffee und besuchen ihre Lieblingsboutiquen. Das wirkliche Highlight an diesem Tag ist die St. Patrick’s Day Parade auf der Gran Vía um 17 Uhr. Die tausenden Hüte und die gesamte Innenstadt in grasgrün getaucht ließen mich dann doch meine Geschichtskenntnisse infrage stellen, da ich noch nie von einer solch großen Verbindung der Spanier und Iren gehört hatte. Zweitgrößte Parade weltweit, hier wichtig anzumerken. So sehr ich mich von der Euphorie aller anstecken lassen wollte, hält sich dann doch meine Begeisterung für Dudelsäcke und Schwarzbier in Grenzen.

Und so fallen wir förmlich mit 25.000 Schritten ins Bett, mit der festen Überzeugung, eigentlich heute nicht rausgehen zu wollen. Doch um 21 Uhr packt uns dann doch die Lust. Wir einigen uns auf ein Weinchen mit Tapas. Kurz darauf finden wir uns dann an einer dieser typischen spanischen Bars an der Barra wieder. Zu drei Weinen bekommen wir sieben Teller Essen. Umsonst!! Das gibt es nur in Spanien.

Pappsatt überredet uns Alex, ein weiterer Freund, weiterzuziehen. So gehen wir von Bar zu Bar, lassen uns von den Barkeepern mit Drinks beschenken und lernen jede Menge Leute kennen. Wir machte noch ein TikTok mit Fremden und diskutierten um 4 Uhr noch mit Türstehern, da wir beschließen, noch in einen Club zu gehen, obwohl dieser wohlgemerkt in 30 Minuten schließen sollte. So trafen wir während des gesamten Abends besonders schlechte finanzielle Entscheidungen.

Und so ging das Wochenende auch zu Ende: mit einem halb unterschriebenen Mietvertrag in Madrid, jede Menge neuen Freunden und einem riesigen Herzenswunsch, nun wirklich nach Madrid ziehen zu wollen.Und nun ziehen die Berge an mir vorbei ich sitze ich mit drei riesigen Gepäckstücken im Zug nach Alicante. Endlich wieder ans Meer zu meiner Mama und meiner Schwester, denn unser Wiedersehen ist schon lange fällig.

Ps. Ich mache jetzt immer kleine Travel guides. Hier also noch meine Top 5 Orte in Madrid die es sich wirklich lohnt zu besuchen. 

  1. Churros essen in Spanien ein Must! Die aller besten gibt es in Calle Mayor 11. Sie heißen „Las Farolas“
  2. Der Retiro: ist mit abstand mein Lieblingsort. Ob für einen Spaziergang, Joggen gehen, ein paar Ausstellungen angucken oder wie es viele Spanier machen ihre Mittagspause, auf den Rasen in die Sonne legen mit einem Belegten Brot genießen.
  3. Zum Shoppen gehen, empfehle ich immer kleinere Spanische Geschäfte und Boutiquen. zb. Mulaya oder Renatta & go.
  4. Bars gibt es wie Sand am Meer in Spanien, besonders geeignet ist die Gegend von Malasaña. Alles was ein wenig nach deutscher Kneipe in spanisch aussieht ist genau richtig. Da wird man immer ein richtig leckeres kaltes Bier finden und mit Sicherheit jede Menge wirklich Autentische Tapas.
  5. Meine Absolute Lieblings bar: Ocean Rock Bar hier macht ihr nichts falsch !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert