Unter unserem Sternenhimmel – mit Kuhscheiße am Fuß und immer auf der Suche nach Trinkwasser. 

April 2026

Endlich wieder vereint – wir drei nach knapp sechs Monaten.

Angekommen in Alicante fahren wir hoch in unser Tibi. Hinter uns das Meer und vor uns erstreckt sich diese wunderschöne Berglandschaft, hinter der die Sonne schon fast verschwindet. Und der Himmel taucht jeden Abend in dieselben Farben ein. Die Berge kommen immer näher. Irgendwann öffnet sich ein Bergtor, welches sich schon fast heimisch anfühlt, so oft wie ich nun schon hier war. Einmal durch – das Zeichen dafür, dass wir fast da sind. An dem Ort, der jetzt das Zuhause meiner Mama und Schwester ist.

Die Ruhe, das Essen und die Struktur der Woche tun so gut. Und so vergehen die zwei oder drei Wochen wirklich schnell. Wir gehen zweimal die Woche Tennis spielen und dreimal reiten, sodass wir nicht nur nach Pferd stinken, sondern auch wirklich schöne Ausritte durch die Berge machen und Springwettbewerbe gegeneinander veranstalten.


Am Samstag ist Markttag in Castalla, wo man am obligatorischen Kaffee mit Tostada nicht vorbeikommt. So sitzen wir immer zwischen lauter Spaniern, die sich samstags um zehn schon zwei Bier reinpfeifen, und fallen gar nicht mehr auf.

Nach fast einem Monat in Spanien geht es für uns drei den gesamten April nach Italien. Wir sagen also ade zu diesem echt schönen Plätzchen in Spanien, wo sich unser Leben schon so eingespielt hat.

Und sind nun auf dem Weg nach Italien 🇮🇹. Ein Monat hier steht uns bevor. Wir fliegen von Alicante nach Bari. An den Hacken quasi – hier war ich vor einigen Jahren schon mal mit Malte. Leider regnet es die gesamten vier Tage durch. Beim Herumlaufen mag man meinen, die Italiener hätten noch nie etwas von Kanalisation gehört. Die Straßen gleichen Flüssen, da die Regenrinnen der Gebäude am Bürgersteig enden und so das gesamte Wasser auf unsere Füße läuft.

Wir haben die gesamte Zeit nasse Schuhe.

Doch wir haben ein echt schönes Airbnb, wo wir es uns richtig gemütlich machen. Wir feiern Mamas Geburtstag am zweiten April und fahren am nächsten Tag weiter nach Reggio Calabria – acht Stunden Zug. In der ersten Klasse machen wir es uns breit und so vergeht die Zeit wirklich schnell, während lauter Berge und die ständig wechselnde Meeresküste an uns vorbeirasen.

Wir verbringen eine Nacht dort in einer Art persisch eingerichteten Hotel, wo alles nach so einer super künstlich duftlampe riecht. Leider erkälte ich mich ein wenig, da es nachts so kalt wurde und ich zu faul war aufzustehen, um Socken und einen Pulli anzuziehen. Das werde ich noch bitter bereuen.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Palizzi, dem Grund, warum wir überhaupt hier sind. Mama hat nämlich zwei Grundstücke gekauft – in einer Art Gemeinschaft, in der sich ein paar deutsche Familien zusammengeschlossen haben, um hier im Süden Italiens ein großes Stück Land zu kaufen. Direkt am Meer, mit Blick auf den Ätna.

Leider gibt es hier noch nichts außer einer Wasserquelle. Keinen Strom, kein fließendes Wasser. Zumindest nicht aus einem Wasserhahn.

Für uns eine wahre Premiere, da wir in den letzten 20 Jahren genau einmal campen waren. Also wirklich Neuland für uns. Mit unseren Rollkoffern in die Berge – uns sieht man von Kilometern Entfernung an, dass wir Stadtkinder sind.

Wir werden von Seven, Rico und Willi abgeholt. Bei den innigen Umarmungen fühlt man sich gleich zu Hause. Der Weg zu den Grundstücken kann nicht wirklich Weg genannt werden. Überall liegen riesige Steine und Schlaglöcher erschweren uns den Weg, der sowieso schon zugewachsen ist. So bekommt der neue Wagen von Seven ein paar ordentliche Kratzer ab. Bei jedem lauten Quietschen halten wir inne.

Doch allein für den Blick aus dem Fenster lohnt sich alles. Ein wahrer Traum von Natur. Das Land ist riesig und erstreckt sich über zwei Berge, auf denen die sogenannten Balkone sind – dort, wo wir bauen wollen. Unten in der Bergschlucht befinden sich die Wasserquelle, eine Höhle und unser Gemeinschaftsplatz. Hier werden Feste gefeiert, zusammen gekocht und ganz viel Lagerfeuer gemacht. Doch statt Stockbrot gibt es bei uns Popcorn. Und wenn ihr mich fragt, ist das echt viel leckerer und unkomplizierter.

Gleich in den ersten Tagen macht sich unsere eher nicht vorhandene Outdoor-Erfahrung bemerkbar. Denn ein Zelt, das für drei Personen ausgeschrieben ist, ist definitiv nicht für drei Personen geeignet. Feuermachen, Graben und Wasserholen sind erst sehr ungewohnt, doch wir grooven uns schnell ein. Das aber nur dank des wirklich extrem guten Wetters, das wir abgepasst haben. Strahlender Sonnenschein und halbwegs warme Nächte belohnen uns. Denn mit Sturm und Regen wäre das Ganze hier nicht halb so angenehm gewesen. Ohne Vorzelt und Tarp wären wir einfach dauerhaft nass und unterkühlt gewesen. Abgesehen davon, dass auch Feuermachen und damit Essen kochen unmöglich gewesen wären.

So hinterfragen wir unser Glück gar nicht lange und genießen einfach. Wir erkunden das gesamte Land, was bestimmt 3 Tage dauerte, in denen wir wahrlich mehr als zwei- oder dreimal in Kuhmist treten. Wir liegen in den Hängematten, saugen die Sonne und den unwirklichen Blick auf die Berge und das Meer auf, sammeln jede Menge Holz und machen gefühlt zweimal am Tag Popcorn. Wir fahren am Markttag ins Dorf, wo Bauern der Umgebung ihre Ernte verkaufen. Caffè e Gelato dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und natürlich der Strand.

Und so sitzen wir jeden Abend am Feuer unter unserem Sternenhimmel, der jede Nacht so klar ist, dass man jedes kleine Sternchen erkennen kann.

Nach zehn Tagen Outdoor ist es aber wirklich genug. Mein Rücken tut weh, da die billigsten Isomatten zwar gut isolieren, dem Rücken aber nichts Gutes tun. Ich sehne mich so sehr nach einer Dusche. Nach sauberen Klamotten. Einem Stuhl und geradem Boden.

Unsere gesamten Klamotten stinken nach Feuer. Was dafür sorgt, dass ich mich das erste Mal in meinem Leben für mich selbst schäme. Die armen Menschen im Bus wissen ja nicht, dass wir gerade eine Woche abgeschnitten von der Zivilisation über dem Feuer gekocht und ohne Dusche gelebt haben.

Und so vergehen die ersten zwei Wochen wie im Flug – nichts ahnend, was alles noch kommen mag.

Allem in allem war es einfach schön. So in der Natur zu leben. Dieser Ort ist einfach paradiesisch. Abgeschnitten von allem, nur mit sich selbst und der Natur. Das mag kitschig klingen, aber so ist es.

P.S.: Mein Italienisch wird immer besser. Nach diesem Monat hier werdet ihr mich nur noch Italienisch sprechen hören.

Und somit: Ciao ragazzi, eure noch immer nach Feuer stinkende Brenda.

Auf geht’s in die Hauptstadt Rom – wir sehen uns am Colosseum.

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