Einmal quer durch Italien – mitten im Naturrausch, Großstadtchaos und einem Taubenangriff

( Das hier ist der zweite Teil unseres Aprils in Italien. Es ist also ratsam, zuerst den ersten Teil zu lesen.)

Nach meiner – man kann schon fast sagen – Verschmelzung mit der Natur in Palizzi verfallen wir doch irgendwie wieder erschreckend schnell der Zivilisation. Wir übernachten wieder eine Nacht in einem Airbnb in Reggio Calabria, diesmal jedoch nicht das Persische vom letzten Mal.

Reggio Calabria ist die Hauptstadt Kalabriens, der südlichsten Region auf dem italienischen Festland – quasi die Zehen Italiens. Der große Tourismusboom ist bisher noch ausgeblieben. Dabei ist Kalabrien unglaublich schön und sehr fruchtbar. Man kann also sagen: Kalabrien ist ein echter Geheimtipp für alle, die noch das ursprüngliche und authentische Italien erleben möchten – fernab von überfüllten Touristenorten.

Und so ist in unserem Airbnb erst einmal eine ellenlange Dusche nötig. Wir machen uns schick und schlendern noch einmal durch die Innenstadt.

Doch es geht früh ins Bett, da mein Zug schon morgens um 6 Uhr fährt.

So trennen sich unsere Wege. Meine Mama und meine Schwester fahren schon einmal vor nach Sizilien, während es für mich in die Hauptstadt geht.

ROM  ruft.

Leider hat mein Zug Komplikationen beim Losfahren. Schon ärgere ich mich über mich selbst, da ich den billigsten Zug gebucht habe: 30 € für 8 Stunden. Das hätte ich eigentlich ahnen müssen. Ich warte gerade einmal 15 Minuten am Gleis und schaue den Schaffnern und einigen Männern mit neongelben Westen dabei zu, wie sie irgendwelche Ventile am Zug auf- und zudrehen. Immer mal wieder zischt es laut und ich höre jemanden fluchen. Ohoh, das sieht nicht so gut aus. Ich möchte den netten Herren ja nichts unterstellen, aber sehr erfahren in dem, was sie taten, sahen sie nicht aus.

So kommt es, wie es kommen muss, und die Verspätung wird immer länger.

Doch der italienische Bahnservice ist unschlagbar, denn schon kommt eine Dame mit iPad auf mich zu und fragt nach meiner Zugverbindung.Kaum 3 Minuten später stehe ich mit einem neuen Ticket an einem anderen Gleis. Endlich hat sich mein Geiz, was Züge angeht, ausgezahlt. Ich wurde vom langsamsten, billigsten Zug auf den Schnellzug umgebucht – und das ohne etwas draufzuzahlen. Nun sollte ich trotz Verspätung sogar 2 Stunden früher in Rom ankommen.

Ab Richtung Norden.

So fährt mein Zug einmal quer durchs Land, am Hafen von Messina vorbei und macht eine längere Pause am Vesuv, wo ich vor einem Jahr an Ostern war. Kurz vor der Ankunft verpasse ich fast den Ausstieg, weil ich gar nicht damit gerechnet habe, dass wir schon da sind.

Und ich merke: Mein Hauptstadtkind-Sein zahlt sich aus. Ruckzuck sitze ich nach einem kurzen Blick auf das Bahnnetz in der Metro Richtung Airbnb.

Ich habe nur einen Tag in Rom. Das heißt: duschen, was snacken und los geht’s ins Getümmel. Ich fahre ins Zentrum und grase erstmal die Hauptattraktionen ab: Trevi-Brunnen, Kolosseum und Brandy Melville. An die Namen der restlichen Sehenswürdigkeiten erinnere ich mich nicht mehr. Rom in 6 Stunden zu erkunden, ist für Fortgeschrittene.

Ich kaufe mir eine Focaccia und setze mich auf einen Platz. Dort werde ich von einer Taube angekackt. Meine Füße tun weh, ich muss mal – und jetzt das auch noch. Ich entscheide: Nach 6 Stunden Rumgewirr habe ich meine Zeit genug genutzt.

Auf dem Weg nach Hause mache ich noch Freunde in einem Stoffladen. Die netten Herren lassen mich auf ihre Toilette und zeigen mir noch die Bushaltestelle, da mein Handy nun auch keinen Akku mehr hat.

Und so finde ich irgendwie doch noch nach Hause, esse in Ruhe und gehe schlafen.

Am nächsten Morgen geht es für uns mit einem Mietauto nach Umbrien.

Vorher überredet mich Santino noch,bei einem Pasta Laden anzuhalten und dafür im Parkverbot mitten in Roms innenstadt zu halten. Also gibt es Carbonara und noch so eine Pasta mit grüner Soße, die ich nicht recht identifizieren konnte. Mit Herzklopfen, ob das Auto auch nicht schon abgeschleppt wurde, kommen wir zurück. Gerade rechtzeitig, denn es fängt heftig an zu schütten. Nun sitzen wir im trockenen Auto und essen, bis wir angehupt werden.

Unser Zeichen: Genug, jetzt geht’s auf die Autobahn.

Dem Unwetter sind wir schnell entkommen, sobald wir uns Richtung Stadtrand bewegen.Ich bin ganz froh, dass es wieder in die Natur geht. Rom war mir einfach zu voll, zu stressig und zu überstimulierend.

Santinos Opa hat vor Jahrzehnten in einem kleinen Dorf in Umbrien eine kleine Burg gekauft. Ein Landsitz, der auch als Atelier diente. Überall stehen Leinwände herum, Farbe und Pinsel. 

Die Zeit vergeht wirklich schnell. Wir machen Mittagsschlaf in den Feldern, machen abends den Kamin an und trinken jede Menge Café. Besonders angetan hat es uns Spoleto, eine Stadt, die 10 Minuten mit dem Auto entfernt ist. Wir laufen die Altstadt hoch zur Burg, trinken ein Bierchen am Platz und schauen den Menschen zu. Wir besuchen Assisi, um die handgemalte Kirche von Giotto zu bewundern. Bei den schönen Bergseen kommt Baden gehen auch nicht zu kurz. Und besonders die Landschaft ist wahrlich atemberaubend: Überall grüne Berge, auf manchen liegt sogar noch Schnee.

Sogar die Nachbarn laden uns zum Essen ein. Wir werden gemästet wie an Weihnachten. Mit Händen und Füßen wird sich mit dem Drei-Generationen-Haushalt unterhalten. Das gilt eher für mich, da ich mit Santinos Italienisch kaum mithalten kann. Und ehe ich gucken kann, sitze ich wieder im Flieger. Es geht nach Palermo auf Sizilien.

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An den für mich vielleicht schönsten Ort der Welt: unser Mondello.

Mondello ist ein kleines Städtchen am Meer, ca. 20 Minuten von Palermo entfernt. Hier findest du lauter alte Königliche Stadtvillen , einen Sandstrand mit türkisem Meer und eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Atmosphäre dieses Städtchens hat es uns so angetan, dass wir seit 2015 nun jedes Frühjahr einmal herkommen. Einige italienische Freunde haben wir auch schon gemacht. Wir übernachten bei Leonardo, einem älteren Herrn, den wir vor Jahren hier kennengelernt haben. Nun besuchen wir ihn jedes Mal, wenn es uns wieder in das kleine Mondello verschlägt. Mit seiner Großzügigkeit und seiner liebevollen Art hat er sich – wie wir ihn nennen – als unser italienischer Opi fast in die Familie geschlichen. In dem Jahr, in dem es uns nicht nach Mondello verschlug, setzte er sich ins Auto und fuhr von Mondello bis nach Berlin hoch, um uns zu besuchen.

Doch diesmal sind wir wieder bei ihm. Er hat ein so schönes Haus, fast direkt am Meer, mit Blick auf den Monte Pellegrino. Und so sitze ich manchmal ewig lange auf der Terrasse, lausche den Grillen und schaue diesen riesengroßen, wunderschönen Berg an.

Am Nachmittag bekocht meine Mama Leonardo (beziehungsweise uns).Und dann sagt er immer : „Brava la mamma.“ und fässt sich an den Bauch. 

Und irgendetwas mag dieses Städtchen an sich haben, was es wahrlich unvergleichbar macht mit all diesen Orten, an denen ich schon einmal war.Die Promenade ist so schön, mit Blick auf das Meer und den Monte sowie diese komisch exotischen Bäume, die am Wegesrand gepflanzt sind. Eine Villa ist schöner als die andere. Als hätten hier früher nur Adlige ihren Sommer verbracht. Ein wahrhaft hoheitlicher Ort. Und so stellen Mama und ich fest wir gehören einfach hierher. 

An einem Tag fahren wir in ein Bergdörfchen, um uns Häuser anzuschauen.Einige sind echt schön, aber uns überzeugt keines.

Wir fahren auch einige Male nach Palermo, um shoppen zu gehen und Café zu trinken.Das Schönste sind jedoch die Märkte, zu denen uns Leonardo bringt. Er kennt die besten Märkte der Gegend. Obst, Gemüse, Kaffee, Nüsse, Unterwäsche und meine Lieblingsstände – die Klamotten-Wühlstände – sind dort zu finden.

Am Strand sind wir jedoch die meiste Zeit.

Wir liegen einfach nur in der Sonne und genießen das türkisblaue Wasser, springen hinein und essen jede Menge Eis.

Und zwar das beste Eis auf der Welt.

Hört, hört – ich habe nämlich wirklich Ahnung von Eis.

Am letzten Abend gehen wir essen in mein Lieblingsrestaurant und natürlich holen wir uns auch noch unser letztes Eis ab. Leonardo bringt uns noch zu Flughafen, er verdrückt fast einige Tränen. Und so umarmen wir ihn noch einmal fest. Jedoch eher nur seinen Bauch der wirklich riesig ist. So geht’s für Adi und mich zurück in die Hauptstadt Berlin ! . Mama fliegt am nächsten Tag nach Spanien. 

So und das war unser Monat in Italien. Viel gesehen und erlebt. Mal schauen was Berlin sagt nach fast 8 Monaten. Endlich wieder zurück ? 

Nagut tschüssi eure brau gebrannte nun fast schon halb italienische Brenda 

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