Lauter grölender Schotte und ein Flipflop Raub aus der Höhe 

In der extrem langen Busfahrt lerne ich ein paar Wienerinnen kennen und zwei Mexikanerinnen, die Erasmus in Österreich machen. Was für ein Zufall, die Welt ist so klein! Eine der beiden kennt sogar Freunde von mir aus Querétaro.

Und so vergeht die Busfahrt ziemlich schnell. Das Hostel in Ljubljana ist jedoch ein echter Reinfall. Direkt an einer großen Straße, das Bad ist dreckig und die Mitarbeiter sind unfreundlich. Das einzig Unschlagbare ist die Location.

Am ersten Abend tue ich mich mit einer großen Gruppe Leute von Hostelworld zusammen. Dort lerne ich Sienna kennen, ein Mädchen aus Australien, die jetzt in London als Videografin arbeitet. Wir verbringen den nächsten Tag zusammen. Wir spazieren durch das idyllische Ljubljana, gehen auf den Markt und kraxeln den Berg zur Burg hoch. Das Wetter ist herrlich, die Stadt voll und zwischendrin Tausende von Männern im Kilt. Und so langsam realisiere ich, dass das kein Zufall ist. Anscheinend findet in zwei Tagen ein Fußballspiel zwischen Schottland und Slowenien statt.

Was am Anfang noch ganz lustig erscheint, wird schnell zu viel. Im Café wollen Schotten zu mir an den Tisch. Überall in der Stadt Geschrei. Ich flüchte auf eine Bootstour, um den Schotten zu entfliehen. Fünf Minuten später sitze ich im Boot. ALLEINE mit einer Gruppe von 15 grölenden Schotten.


Den restlichen Tag verbringen wir auf dem Gras eines Parks, in dem kein Schotte in Sicht ist. (Wahrscheinlich zu langweilig.)

Am nächsten Morgen stehe ich am Busbahnhof ohne Plan. Mit dem einzigen Ziel, am Tag des Fußballspiels nicht in Ljubljana zu sein.

Eigentlich wollte ich nach Bled, doch ich bin angeschlagen und hier in Slowenien wird es immer kälter. Und nachdem ich die Menschenmassen sehe, fällt meine Entscheidung schnell auf den nächsten Bus Richtung Süden.

Ich warte 50 Minuten, da mein Bus Verspätung hat. Am Busbahnhof von Ljubljana finden gerade Bauarbeiten statt, sodass nur eine einzige Toilette für den gesamten Bahnhof geöffnet ist. Eine Riesenschlange davor. Ich lege mich ins Plastikgras vor die Absperrung, die das Baustellenchaos verdeckt, und genieße die Sonne, während ich das Drama der Toilettenknappheit beobachte.

Mein Hostel in Rijeka, einer kleinen Hafenstadt im Norden Kroatiens, liegt ganz oben auf dem Berg. Mit meinem Optimismus laufe ich natürlich zu Fuß, unterschätze den Weg jedoch maßlos. Zehn Kilo auf dem Rücken, 50 Minuten Treppen hoch in der prallen Mittagssonne bringen mich an meine Grenzen. Irgendwie schaffe ich es. Mein Hostel ist leer. Einfach perfekt! Nach so viel Sozialisierung will ich niemanden sehen. Das Hostel ist sauber und hat einen Blick aufs Meer.

Meine Nachbarn: ein Kloster. Ich gehe jeden Tag zum Strand und lausche an einem Tag gespannt einer aufgebrachten Gruppe spanischer Jungs, die mich ansprechen wollen. Ihre Gesichter bleichen sich schlagartig, sobald ich ihnen sage, dass ich Spanisch spreche.

Die Sonne belebt mich wieder und die Strände sind wunderschön, sodass ich meinen Aufenthalt immer wieder verlängere. Am letzten Strandtag passiert dann das Unglück. Da der Strand voller Kies ist, lege ich meine Flipflops immer an den Wasserrand. Nach dem Schwimmen kann ich beim Rauslaufen gar nicht so schnell gucken, da hat eine Riesenmöwe meinen Flipflop im Maul und versenkt ihn in den Tiefen des Meeres. Die Strandmenge lacht. Sowas hat mir gerade noch gefehlt.

Barfuß auf heißem Teer 30 Minuten zurück zum Hostel laufen. Auf halbem Weg nehme ich mir einen Bolt, um mir nicht vollständig die Füße zu verbrennen. Die Blicke des Bolt-Fahrers fragen sich, welche Art von Hippie ich wohl sein mag.

So geht meine Zeit in Rijeka zu Ende mit einem voll Vitamin D Tank und einem neuem Erzfeind: Möven. 

Jetzt angekommen am MEER endlich. Nichts hält mich mehr auf. Immer weiter in den Süden.

Eure brenda mit verbrannten Füßen 

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