Ein nackter Arsch im Gesicht, 1.40€ Wein und eine fast Verhaftung der Dirndl Polizei 

Nach meiner wirklich lehrreichen Zeit in Österreich in den Bergen schubst mich das Leben nun endlich wieder ins Abenteuer und so sitze ich nun in Graz in einem Woman-Six-Dorm-Hostel und freue mich immer mehr mit dem Gedanken an, eine spontane Balkan-Tour zu starten. Die Idee, einfach loszuziehen, brennt sich einfach in meinen Kopf ein und scheint intuitiv die beste Entscheidung zu sein. Einfach die Münze drehen. Aus dieser blöden Situation nun das Beste machen.

Und so vergesse ich meine Trauer ganz schnell. Ich lerne am ersten Abend Emma, Elvan, Wilma und Lou kennen. Wir erkunden Graz bei Nacht. Es verschlägt uns in eine Rockbar voller Ü-40-Jähriger mit ausgewaschenen T-Shirts, langen Haaren und einem wohl sehr beliebten Parfüm unter Rockfreaks: Stinkeschweiß. Doch nach ein paar Musikwünschen wird die Stimmung immer besser. Danach verschlägt es uns in die Mausefalle. Dies stellt sich jedoch als großer Fehler heraus. Angeblich der hippste Club für junge Leute in dieser Stadt. Nach 8 € Eintritt stehen wir jedoch fünf Minuten später in einem Raum voller in Tracht gekleideter Menschen, die laut Ballermann-Hits schreien. Die beiden Franzosen Elvan und Lou sind mehr als verstört von dieser Musik. Und so nimmt der Abend eine ganz neue Wendung. In der Hostel-Lounge haben sich Mengen von in Tracht gekleideten Männern gesammelt.

Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass ich schlechthin DAS Wochenende hier in Graz abgepasst habe. Denn das gesamte Stadtzentrum ist abgesperrt, da die österreichische Version des Oktoberfests stattfindet. Ich habe es extra noch mal nachgeschlagen:Aufsteirern
. Und so befinde ich mich eine Stunde nach meinem herrlichen Café in der Sonne auf dem Bauernmarkt mitten im Oktoberfestgetümmel. Dirndl und Lederhosen, so weit ich nur gucken kann. Natürlich habe ich mich anpassen müssen. Ein bayerischer Rock in A-Linie mit einem Halstuch lassen mich wahrlich traditionell und gleichzeitig modern wirken. Ganz nach dem Motto: Anpassung ist die beste Tarnung. Irgendwann wird uns das Getümmel jedoch zu viel. Wir verkriechen uns in den Hof der Stadtbibliothek. Und chillen und lesen den ganzen Tag.


So, es ist also entschieden: Ich schmeiß mich in die neue Reise. Sonne genießen, Menschen kennenlernen und jede Menge Quatsch machen. Jetzt stellt sich nur die Frage: Wie werde ich meinen Kram los? So geht es für mich an diesem Morgen von Graz nach Wien.

Ich schnappe mir das nächste BlaBlaCar von Graz nach Wien für sage und schreibe 7 € statt 48 € für den Zug. An der Stelle ein großes Shout-out an die Politik. Züge sind zu teuer! Und nicht nur das: E holt mich vom Hostel ab und bringt mich sogar zu meinem Hostel in Wien. Er fährt seinen Vater immer nach Wien. Da der Herr schon seit 40 Jahren in Wien wohnt, erzählt er mir alle Insider. Also spare ich nicht nur am Zug, sondern erhalte noch eine private Tour gratis. Als echter Sparfuchs verprasse ich an diesem Tag danach mein gespartes Geld in einem überteuerten Mittagessen neben dem Hostel.

Wien ist eine wirklich herrliche Stadt, jedoch fühle ich mich schnell überstimuliert. Ich lerne Sophie kennen, die an der TU in Wien studiert, und wir verbringen zwei Tage zusammen. Und so lerne ich gefühlt den halben Erstsemesterjahrgang Wiens kennen und crashe mit einer Gruppe von Random-Leuten von Hostelworld eine Geburtstagsparty in einer Bar. Und so sind wir auf einmal mittendrin. Mit Schokokuchen in der Hand singen wir „Happy Birthday“ für einen Glatzkopf, der 34 wird.

Nachdem ich Charlotte und ihre Mama auf ein Mittagessen treffe und im Anschluss erfolgreich meinen Koffer loswerde, kann mich nichts mehr stoppen. Die letzte Nacht im Hostel: FATAL. Ein üppiger Mann mit den schinkigsten Käsemaugen und ein älterer Herr, der mir beim Umziehen seinen nackten Arsch entgegenstreckt und dann seine Buxe präsentativ auf dem Boden liegen lässt. Sowie ein Spanier, der meine Hilfsbereitschaft beim Self-Check-in ganz schön mit einem Flirt verwechselt. Sie geben mir den letzten Rest.

So sitze ich am nächsten Morgen im Bus nach Bratislava. Ich grase jeden Secondhandshop in der gesamten Stadt ab, steige zwischendrin auf eine Burg, um natürlich auch den Bildungsauftrag nicht zu verlieren, und trinke abends den billigsten Wein meines Lebens: 1,40 € für ein Gläschen. So billig, dass ich fest an einen Haken glaube. Mit einer Gruppe Briten verbringe ich den Abend. Einer von ihnen ist Harry. Dem britischsten Typen, den man sich vorstellen kann, begegne ich auf meiner Reise noch öfter. Jedoch stellt sich ziemlich schnell heraus, dass er ein ganz schönes Alkohol- und Ego-Problem hat.


Bratislava holt mich total ab. Das Wetter ist herrlich und die Ruhe der Stadt bringt mich total zu mir. Nach einer Nacht im halsbrecherischen Hochbett mit jeder Menge logistischer Fehler (wahrscheinlich hat es ein Mann designt) – allein um das Licht anzuschalten, muss man im Stockdunkeln mit seinen dreckigen Klamotten übers ganze Bett kriechen – bin ich bereit für das nächste Abenteuer.

Ihr werdet jetzt öfter von mir hören. Ich lerne so viele Menschen kennen und erlebe so viel, dass das hier leider nicht alles Erwähnung finden kann. Und so sitze ich mit meinem vollen Rucksack in einem Uber für sage und schreibe 3 € zum nächsten Busbahnhof. Sieben Stunden Fahrt, es geht Richtung Süüüüdennn.

Wir hören uns als Nächstes aus Slowenien. 🇸🇮

eure verschlafene Brenda

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